Organisation der Ausbildung, Lernziele und Lehrplan

Schlüsselbegriffe: Rechtliche Rahmenbedingungen in der Sonderpädagogik / Statistische Daten in der Sonderpädagogik / Tagesstrukturen

Die adäquate Schulung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf und mit Behinderung ist in der Schweiz gesetzlich verankert. Seit 2008 ist die Sonderpädagogik alleinige Aufgabe der Kantone. Dies bedeutet, dass die fachliche, rechtliche und finanzielle Zuständigkeit der Sonderschulung bei den Kantonen liegt. Aufgrund dieser neuen Aufgabenzuteilung ist jeder Kanton dazu verpflichtet, sein sonderpädagogisches Angebot und die Massnahmen in einem Sonderpädagogikkonzept zu definieren. In den Kantonen werden folgende Formen der besonderen Schulung angeboten.

Formen der besonderen Schulung

  • Heilpädagogische Früherziehung

    In der heilpädagogischen Früherziehung werden Kinder mit Behinderungen, mit Entwicklungsverzögerungen, -einschränkungen oder -gefährdungen behandelt. Die Unterstützungsmassnahmen können für Kinder ab Geburt bis maximal zwei Jahre nach Schuleintritt im familiären Kontext erfolgen.

  • Integrative Schulung

    Integrative Schulung besteht in der voll- oder teilzeitlichen Integration von Kindern oder Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf in eine Klasse der Regelschule
    - durch die Nutzung der sonderpädagogischen Massnahmen, welche die Schule anbietet, und/oder
    - durch die Anordnung von verstärkten Massnahmen anhand des Standardisierten Abklärungsverfahrens (Integrative Sonderschulung).

  • Sonderklassen

    Sonderklassen (z.B. Kleinklassen) nehmen eine reduzierte Anzahl Lernender auf, deren Entwicklung gefährdet ist oder die dem Unterricht in der Regelschule aufgrund ihrer Schwierigkeiten (z.B. Verhaltens- oder Lernschwierigkeiten) aller Wahrscheinlichkeit nach nicht werden folgen können. Sonderklassen stellen eine Schulungsart zwischen der Regel- und der Sonderschule dar.

  • Sonderschule

    Eine Sonderschule gehört zur obligatorischen Bildungsstufe und ist auf bestimmte Behinderungsformen oder Lern- und Verhaltensschwierigkeiten spezialisiert. Die Sonderschule nimmt ausschliesslich Kinder und Jugendliche auf, die aufgrund des Standadisierten Abklärungsverfahrens einen ausgewiesenen Anspruch auf verstärkte Massnahmen haben. Sie unterstehen einem kantonalen Bewilligungsverfahren. Sie können zusätzlich mit einem stationären Unterbringungsangebot oder mit einem Betreuungsangebot in Tagesstrukturen kombiniert sein.

  • Pädagogisch-therapeutische Angebote wie Logopädie und Psychomotoriktherapie

    In der Logopädie werden Sprach-, Sprech-, Stimm- und Kommunikationsstörungen diagnostiziert und behandelt. Die Psychomotoriktherapie befasst sich mit der Wechselwirkung zwischen Wahrnehmen, Fühlen, Denken, Bewegen und Verhalten, sowie in ihrem körperlichen Ausdruck. Bei beiden pädagogisch-therapeutischen Angeboten werden die dazu notwendigen Therapiemassnahmen geplant, durchgeführt und ausgewertet.

Lernziele und Anforderungen

Die Lernziele und Anforderungen für Kinder und Jugendliche mit besonderem Bildungsbedarf sind individuell auf die Fähigkeiten der betroffenen Lernenden zugeschnitten. Sie hängen im Wesentlichen von der Art der Behinderung ab: eine sensorische oder physische Schwäche bedeutet nicht a priori auch eine Einschränkung des kognitiven Lernens. In diesem Fall stehen spezielle Lehrmittel und Hilfen zur Verfügung, um die Anforderungen und Ziele der Regelschule zu erreichen.

Im anderen Fall, in dem die Einschränkung der Entwicklung und der Lernfähigkeit eines Schülers eine Orientierung an den Lehrplänen der Regelschule nicht zulässt, zielen die festgelegten Lernziele insbesondere auf grösstmögliche Selbständigkeit und bestmögliche soziale Integration ab.

In beiden Fällen richten sich die Lernziele für jedes Kind auf die optimale Balance zwischen maximaler Entwicklung des Potenzials (auf kognitiver Ebene und allgemein) des Kindes oder des Jugendlichen bei gleichzeitiger Förderung der Selbstverwirklichung. Dieses Gleichgewicht versucht jede Schulform (Sonderschule oder Integrative Schulung) zu erreichen.

Die Lerninhalte und -ziele, selbst die Entwicklung, werden zunehmend in individuellen Entwicklungsplänen (IEP) festgeschrieben, die eine interdisziplinäre Gruppe von mit dem Kind oder Jugendlichen befassten Experten erarbeitet. Diese Vorgehensweise erfordert eine gute Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Beteiligten, die sich regelmässig treffen, um die Ziele neu zu bewerten und anzupassen.

Beurteilung der Schülerinnen und Schüler

Das bevorzugte Bewertungsverfahren in der Sonderpädagogik ist eine kontinuierliche und formative Bewertung, die ein regelmässiges Feedback für Schülerinnen, Schüler und Eltern ermöglicht. Die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen wird in einem Bericht zum Schuljahres- oder Halbjahresende protokolliert. Prüfungen oder Benotungen zum Jahresende bilden eher die Ausnahme. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die in Regelschulen integriert sind und dem normalen Lehrplan unterliegen, werden wie die Mitschüler bewertet. Behinderte Schülerinnen und Schüler können dabei aber einen Nachteilsausgleich einfordern (z.B. Verlängerung der Zeitdauer, um eine Prüfung zu absolvieren; Begleitung durch eine Drittperson [z.B. Gebärden-Dolmetscher bei mündlichen Examen bei Hörbehinderung]; Anpassung der Prüfungsmedien oder der Form von Examen).

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 18.11.2016

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